Mittelalter Ale
Rezepte

REZEPT Mittelalter Ale

Mittlerweile habe ich bereits drei Teile von Bernard Cornwells großer Uhtred-Saga* gelesen und rezensiert. Höchste Zeit, dass ich endlich auch das Rezept dazu veröffentliche: ein (möglichst) authentisches Mittelalter Ale.

Ale war im (englischen) Mittelalter mehr als ein Genussgetränk. Es leistete nämlich nicht nur einen erheblichen Anteil an der Flüssigkeitszufuhr der Menschen, sondern auch für die gesamte Ernährung.

Man kann das Mittelalter Ale daher mit Fug und Recht als “flüssiges Brot” bezeichnen, weshalb es wenig verwundert, das dieses berauschende Getränk über praktisch alle gesellschaftlichen Schichten hinweg konsumiert wurde.

Ale wurde damals aus drei einfachen Zutaten gebraut: Getreide, Wasser und Hefe. Im Gegensatz zum Bier kam es damit ohne Hopfen aus, wodurch der Brauvorgang natürlich auch deutlich einfacher war.

Ich habe mich bei meinem Mittelalter Ale – meinem erster Versuch in der Braukunst überhaupt – an den Ale-Experimenten eines Informatikers der Carnegie Mellon University in Pittsburgh orientiert, die dieser Ende der 1990er Jahre unternommen hat.

Somit basiert auch mein Mittelalter Ale auf einem authentischen Rezept, das aus der Zeit um 1300, also aus dem Spätmittelalter stammt.

Bei der Herstellung des Ales habe ich Wert darauf gelegt, möglichst nahe an die Bedingungen im Mittelalter heranzukommen. Dies bedeutete, dass ich auf für das moderne Brauen essentielle Hilfsmittel wie beispielsweise ein Thermometer gänzlich verzichtet habe.

Außerdem habe ich, im Gegensatz zum Pittsburgh-Rezept, keinen nach modernen Standards isolierten Kessel verwendet, sondern die Isolierung sehr behelfsmäßig darüber hergestellt, dass ich meinen bestellten Maischeeimer einfach im Lieferkarton stehen ließ und das Ganze mit Decken und Küchentüchern ausgestopft habe.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch im Mittelalter vielerorts, wo Ale gebraut wurde, ähnlich improvisiert werden musste. Dies würde auch erklären, warum manche Lokale in historischen Mittelalterromanen für ihr Ale gerühmt werden, während einem bei anderen nahe gelegt wird, lieber einen Bogen um das Etablissement zu machen.

Der Brauprozess an sich lief sehr reibungslos, jedoch schwang aufgrund der geschilderten Ursprünglichkeit des ganzen Vorgangs und der dadurch fehlenden Kontrollmöglichkeiten immer eine recht große Unsicherheit mit, ob das Ganze zu einem akzeptablen Ergebnis führen würde.

Etwas beruhigter wurde ich, als ich nach ein, zwei Tagen Ruhezeit feststellte, das sich im Gäreimer etwas tat. Der große Moment der Entscheidung kam dann aber an Tag 5, als es ans erste Verkosten des Mittelalter Ales ging.

Zu diesem Zeitpunkt war das Ale noch nicht vollständig fertig fermentiert, doch dieser noch “frische” Zustand entspricht exakt dem, wie Ale im Mittelalter meistens getrunken wurde.

Mittelalter Ale

Zu meiner Erleichterung konnte ich beim Zapfen des ersten Glases feststellen, dass das Gebräu zumindest mal einem Bier ähnlich sieht und beim Verkosten wurde diese Erleichterung sogar zu Freude, da das Ale auch geschmacklich in die Richtung ging, in der ich es nach meinen Erfahrungen mit modernen Bieren vermutet hätte.

Aber mehr noch: Entscheidender Weise muss ich tatsächlich sagen, dass mein Mittelalter Ale allemal trinkbar war und uns allen – insbesondere nach ein paar weiteren Tagen des “Fertiggärens” – durchaus auch gut geschmeckt hat.

Auch die Tatsache, dass mein Mittelalter Ale Alkohol enthielt, konnte man gut herausschmecken, sodass ich der Meinung bin, dass beim Brauen ziemlich viel richtig gelaufen sein muss.

Ich muss jedoch auch sagen, dass sich am Boden meines Gäreimers sowie nach einiger Zeit auch am Boden des Kruges deutliche Hefereste abgesetzt haben.

Da ich, wie gesagt, keine weiteren Erfahrungen im Brauen habe, kann ich schlecht beurteilen, ob dies so sein muss oder ob irgendwo noch Verbesserungspotenzial in der Rezeptur bzw. der Zubereitungsweise steckt. Beim nächsten Mal werde ich jedenfalls versuchsweise etwas weniger Hefe verwenden.

Das Geschmackserlebnis haben diese Hefe-Reste für mich und Mümmler aber kaum beeinträchtigt. Im Gegenteil: Eine solche unperfekte Komponente machte das Mittelalter Ale noch authentischer und das war schließlich der wichtigste Gedanke hinter der ganzen Brau-Aktion.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gutes Gelingen beim Brauen und immer daran denken, nicht so viel Mittelalter Ale auf einmal zu schnabulieren: Drink responsibly, wie man in den englischen Pubs des Mittelalters wahrscheinlich noch nicht gesagt hat. 😉

So oder so kann es aber nicht schaden, sich eine ordentliche “Grundlage” für den Ale-Genuss zu schaffen, und zwar in Form von fester Nahrung wie beispielsweise einem lecker-würzigen Treber Brot oder gar einer Mittelalter Pizza, wozu sich die beim Brauen übrig gebliebenen Getreideresten sehr gut verwerten lassen.

Mittelalter Ale Rezept

Mittelalter Ale

Schnabulon I.
Dieses Rezept kommt dem nahe, wie im mittelalterlichen England Ale gebraut wurde.
5 from 3 votes
Vorbereitungszeit 15 Minuten
Zubereitungszeit 1 Stunde 30 Minuten
Wartezeit 5 Tage
Gericht Getränke
Küche England
Portionen 10 Liter
Kalorien 4600 kcal

Kochutensilien

  • Gäreimer mit Auslaufhahn (Fassungsvermögen mind. 17 l)
  • Maischeeimer (Fassungsvermögen mind. 17 l)
  • Sieb
  • Wolldecke(n) o.ä. zum Isolieren

Zutaten
  

  • 2,12 kg Pale Ale Malz geschrotet
  • 680 g Haferflocken
  • 12,5 l Wasser
  • 22 g Ale Yeast (Bier Trockenhefe)

Anleitungen
 

  • Die beiden Eimer und das Sieb gründlich reinigen/desinfizieren.
  • Knapp 4,75 Liter Wasser zum Kochen bringen.
  • In der Zwischenzeit das geschrotete Malz gut mit den Haferflocken vermischen.
  • Den Maischeeimer vor dem Herd auf den Boden stellen und die Wolldecke(n) darum wickeln, damit der Eimer etwas isoliert ist.
  • Nun 1,9 Liter kochendes Wasser aus möglichst großer Höhe langsam (!) in den Maischeeimer schütten, damit über den Wasserdampf etwas Hitze entweichen kann.
  • Die Malz-Haferflocken-Mischung in den Eimer geben. Nicht umrühren.
  • Das restliche gekochte Wasser langsam in den Maischeeimer schütten. Weiterhin nicht umrühren.
  • Den Eimer schließen und 10 Minuten warten.
  • Während der Wartezeit weitere 950 ml Wasser erhitzen und es nach den 10 Minuten kochend aus weiterhin möglichst großer Höhe langsam in den Maischeeimer schütten.
  • Den Eimer wieder schließen und 20 Minuten warten.
  • Den Deckel wieder abnehmen und den Eimerinhalt, die sogenannte Maische, gut umrühren.
  • Den Eimer wieder verschließen und 1,5 bis 3,5 Stunden ruhen lassen.
  • Gegen Ende der Ruhezeit gut 2,8 Liter Wasser erhitzen und es kochend weiterhin aus möglichst großer Höhe langsam in den Maischeeimer schütten. Alles gut verrühren.
  • Den Eimer erneut schließen und weitere 25 Minuten warten.
  • Knapp 3,8 Liter Wasser auf den Herd stellen und so erhitzen, dass es zum Ende der Wartezeit kocht.
  • Das Wasser in den Eimer schütten, Höhe und Geschwindigkeit sind diesmal egal. Alles gut verrühren.
  • Die Maische durch ein Sieb vom Maische- in den Gäreimer geben. Gebraucht wird nur der flüssige Teil, die sogenannte Würze. Die ausgesiebten festen Getreidereste, den Treber, in eine separate Schüssel geben.
  • Nach dem Sieben den Gäreimer verschließen und die Würze über Nacht abkühlen lassen.
  • Am nächsten Morgen die Trockenhefe gemäß der Packungsanleitung anrühren. Dabei unbedingt ein gereinigtes/desinfiziertes Glas o.ä. verwenden sowie Wasser, das zuvor gekocht und wieder abgekühlt wurde.
  • Die Hefe in die Würze kippen und das Ganze sehr gut umrühren.
  • Den Eimer verschließen und das Ale einige Tage gären lassen.
  • Das Mittelalter Ale zapfen und servieren.
Keyword Ale, Bier, Mittelalter

Zur Buchrezension von Das letzte Königreich (Teil 1 der Uhtred Saga)

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Meine größte Leidenschaft ist zwar das Schnabulieren, aber hin und wieder lese ich auch gerne ein gutes Buch und daher freue ich mich, dass ich auf Mümmlers Blog darüber schreiben darf.

14 Kommentare

  • Bernhard

    5 Sterne
    Nachdem ich früher häufiger mit meinem Vater auf Mittelalterfesten war, habe ich das Ale-Rezept unbedingt ausprobieren müssen. Es war aufwendig, ja, und ich musste Teile des Equipments von einem Freund leihen. Aber was soll ich sagen? Es schmeckte herrlich und aller Mühen wert. Ich werde in 2 Monaten, wenn ich meine Familie zur Geburtstagsfeier empfange, mit diesem herrlichen Getränk meine Gäste überraschen.

    • Mümmler

      Hallo Bernhard,

      da wird sich mein Schnabulon sehr freuen über das tolle Lob, vielen Dank. Ich wünsche jetzt schon mal eine schöne Feier, es wird wohl recht feucht-fröhlich zugehen, wie sich das anhört. 😉 😀

      Viele Grüße
      Mümmler

  • Paul M. S.

    5 Sterne
    Hallo Mümmler,
    wir haben das Rezept ausprobiert.
    Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt.
    Alle die das Bier getrunken haben waren begeistert.
    Da ich jetzt das kpl. Zubehör habe, werden ich es öfter zubereiten.
    Gruß
    Paul Michael

    • Mümmler

      Hallo Paul Michael,

      danke für Ihre Nachricht. Da wird sich mein Sohn sehr freuen, dass es Ihnen allen so gut geschmeckt hat.
      Für die ganzen Getreidereste, die beim Brauen übrig bleiben, empfehle ich das Treber Brot Rezept, das es auch hier auf dem Blog gibt. Einfach mal suchen.

      Viele Grüße
      Mümmler

    • Mümmler

      Oh, dann hoffe ich mal, dass Sie nicht die komplette Menge zubereitet haben wie sie im Rezept angegeben ist. 🙂
      Aber freut mich, dass Ihnen das Ale so gut schmeckt!
      Ich empfehle auch mein Treber Brot Rezept, damit Sie die ganzen Getreidereste sinnvoll verwerten können.

      Viele Grüße
      Mümmler

    • Baumi

      5 Sterne
      Moin, ich werde das Rezept dieses Wochenende ausprobieren.
      Ich bin sehr gespannt wie das Ale schmeckt….

      Eine Frage habe ich noch: wie hoch ist ungefähr der Alkohol Gehalt?

      Beste Grüsse

      Baumi

      • Mümmler

        Hallo,
        eine genaue Messung haben wir nicht gemacht, aber ich kann sagen, dass das Ale nicht sonderlich stark ist. Ich denke unter 3% Vol.

        Viele Grüße
        Mümmler

  • Norbert

    Hallo Mümmler,
    das sich die abgestorbenen Hefezellen am Boden absetzen ist normal und muß so sein. Weniger hefe zu nehmen hift da nicht, dagfür besteht die Gefahr das der Sud sauer wird weil sich Fremdhefen schneller ausbreiten können als die gewünschten.
    Ich mache es so: Nach dem Kochen fülle ich ca 1,5 ltr. Sud ab und kühle ihn im Wasserbad. Sobald er kalt ist gebe ich die Hefe dazu und lasse das ganze über Nacht an einem warmen Ort stehen. Am nächsten Tag, wenn der Hauptsud abgekühlt ist gebe ich den Ansatz zum Sud und rühre kräftig durch. Damit erreicht man das Sauerstoff in den Sud gelangt. Dann bleibt nur noch ab zu warten.

    Woher ich das weiß? Ich bin seit einigen Jahren Hobbybrauer. ;o))

    Eine schöne Web-Site hast Du da gebaut. Viele Dank dafür!
    LG
    Norbert

    • Mümmler

      Hallo Norbert,
      vielen Dank für deinen Kommentar, das Lob und den Hinweis! Ich habe mich sehr darüber gefreut.
      Deinen Tipp habe ich direkt an meinen Sohn weitergeleitet und er hat vor, ihn beim nächsten Brauen zu beherzigen.

      Viele Grüße
      Mümmler

  • Andre

    Sehr geiles und einfaches Rezept was vor allem auch noch schmeckt.
    Ich habe ca. 3 Liter von der Würze nach der Hauptgärung mit 9 Gramm Melonen Hopfen für 3 Tage gestopft . Alle Biere habe ich danach in Flaschen gefüllt und karbonisiert. Was soll ich sagen , einfach der Hammer, vor allem das Gestopfte.
    Wichtig ist aber beim gestopften das man das Bier noch min. 3-4 Wochen bei niedriger Temperatur ziehen lässt, ist sonst zu bitter.
    Nochmals vielen Dank für das tolle Rezept, bin jetzt auf den Geschmack gekommen und habe mir diverses Material besorgt und braue grade mein erstes IPA.
    Gruß André

    • Mümmler

      Hallo André,

      danke für das tolle Lob! Freut mich sehr, dass es so gut geschmeckt hat. Deine Idee klingt auch sehr interessant.

      Viel Spaß weiterhin beim Brauen und viele Grüße!
      Mümmler

  • Ragnar

    Frage zu 9 & 13:
    Sowie bei 5 kochendes Wasser in den Maischeeimer schütten? Oder zum kochen bringen und 10 Minuten warten / abkühlen lassen?

    “Während der Wartezeit weitere 950 ml Wasser zum Kochen bringen und nach den 10 Minuten in den Maischeeimer schütten.”

    Ich denke es wird jedes Mal kochendes Wasser zugeschüttet. Aber sicherheitshalber frage ich lieber nach.

    • Schnabulon I.

      Hallo Ragnar, genau richtig: Das Wasser so erhitzen, dass es kochend in den Eimer geschüttet wird. Ich habe es im Rezept auch nochmal eindeutiger formuliert.

      Viel Spaß beim Brauen! Sag gerne Bescheid, wie es geschmeckt hat!

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