Der blinde Fluss
Rezensionen

Der blinde Fluss von Mia Couto

Verlag: Unionsverlag

Seitenzahl: 310 Seiten

Historische Epoche: Das Lange 19. Jahrhundert, Kolonialismus, Erster Weltkrieg

Schauplatz: Ostafrika

Erscheinungsjahr: 2026


Inhalt:

In Der blinde Fluss* erzählt der mosambikanische Autor Mia Couto atmosphärisch dicht von dem Ereignis, das den Ersten Weltkrieg in Ostafrika auslöste.

Lautlos gleitet das Boot mit den deutschen Soldaten aufs Ufer des Rovuma zu und bringt eine neue Zeitrechnung mit sich: Der Überfall auf den portugiesischen Militärposten markiert den Beginn des Ersten Weltkriegs in Ostafrika.

Und noch immer liegt der Schatten des Maji-Maji-Aufstands auf der Region, niedergeschlagen von deutschen Kolonialtruppen.

Der afrikanische Hilfssoldat Nataniel versucht gemeinsam mit seinem Bruder, in den Untiefen zwischen den Kolonialmächten zu navigieren, wo Ungeheuer aller Art lauern.

Doch beinahe unbemerkt geht etwas Seltsames in den Dörfern und Garnisonen vor sich: Aus Berichten, Karten und Büchern verschwinden die Buchstaben, und Stück für Stück scheint sich die Macht der Europäer zu verflüchtigen.

Rezension Der blinde Fluss

Hinweis: Der blinde Fluss wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bzw. diese Rezension wurde dadurch nicht positiv beeinflusst.

Im Jahr 1914 ist der Rovuma Fluss die natürliche Grenze zwischen Deutsch-Ostafrika (bzw. konkret Tansania) und Portugiesisch-Ostafrika, was dem heutigen Mosambik entspricht.

Die zentrale Handlung von Der blinde Fluss dreht sich um einen deutschen Überfall auf den portugiesischen Militärposten Madziwa. Während der eigentliche Überfall schnell abgehandelt ist, geht es vor allem um die Nachwirkungen dieses Überfalls, aber auch um die des Jahre zurückliegenden Maji-Maji-Aufstands, der durch deutsche Kolonialtruppen blutig niedergeschlagen wurde.

Generell geht es dem Autor weniger darum, eine ausgeklügelte Handlung zu präsentieren, als vielmehr um die Schaffung einer authentischen Atmosphäre, die die ostafrikanische Kultur einfängt, aber auch die tiefen Narben offenlegt, die die Kolonialherrschaft dort hinterlassen hat.

Entsprechend sind den insgesamt 93, in der Regel sehr kurzen Kapiteln unterschiedlichste Zitate vorangestellt – ebenso wie Abbildung aus dem Kulturschatz der Region. Weniger Wert wird auf Logik gelegt, was aber eine bewusste Entscheidung ist und mit dazu beiträgt, dass man noch tiefer in die damalige Lebenswelt und Kultur eintauchen kann.

Meiner Meinung nach kann man Der blinde Fluss zu der literarischen Gattung des magischen Realismus zählen, denn gerade gegen Ende des Buches kommt es zu einigen Begebenheiten, die man nicht innerhalb der Naturgesetze erklären kann.

Insgesamt betrachtet kann man sagen, dass sich dieser historische Roman von den sonst hier auf Mümmlers Blog rezensierten Büchern durch Form und Inhalt deutlich abhebt. Für alle, die bereit sind, einmal etwas Anderes zu lesen, ist es aber ein durchaus interessantes Werk über (Kolonial-) Macht, Sprache und Erinnerung.

Als Rezept zu Der blinde Fluss haben Mümmler und ich ein Gericht mit Ursprung in Ostafrika zubereitet, das auch in Portugal sehr beliebt ist: ein Piri Piri Huhn.


Falls Sie Lust darauf bekommen haben, Der blinde Fluss zu lesen, können Sie gerne auf diesen amazon-Link klicken und das Buch dort erwerben. Durch diesen (und die anderen mit * gekennzeichneten) Affiliate-Links erhalte ich 7% des Kaufpreises als Provision von amazon. Ihnen entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.

Zum Rezept: Piri Piri Huhn

Meine größte Leidenschaft ist zwar das Schnabulieren, aber hin und wieder lese ich auch gerne ein gutes Buch und daher freue ich mich, dass ich auf Mümmlers Blog darüber schreiben darf.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert