
Stonehenge von Ken Follett
Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 672 Seiten
Historische Epoche: Urgeschichte/Steinzeit
Schauplatz: heutiges England
Inhalt:
Mit seinem neuen Roman Stonehenge* wagt sich Bestsellerautor Ken Follett in eine nicht oft literarisch behandelte Epoche: die Jungsteinzeit.
In der Hitze des Hochsommers überquert Seft, ein begnadeter Feuersteinhauer, die Große Ebene, um den Ritualen beizuwohnen, die den Beginn des neuen Jahres anzeigen. Beim Markt zur Sommersonnenwende will er einige seiner Steine eintauschen und Neen suchen, das Mädchen, das er liebt.
Neens Familie lebt in Wohlstand und bietet Seft in ihrer Gemeinschaft von Hirten Zuflucht vor seinem brutalen Vater und seinen aggressiven Brüdern.
Joia, Neens Schwester, ist eine Priesterin mit Vision, eine geborene Anführerin. Schon als Kind sieht sie der Zeremonie zur Sommersonnenwende wie gebannt zu. Sie träumt von einem wundergleichen neuen Monument, errichtet aus den größten Steinen der Welt.
Joias Vision von einem großen Steinkreis inspiriert Seft und wird zu ihrem gemeinsamen Lebenswerk. Doch als Dürre die Erde plagt, wächst das Misstrauen zwischen Hirten, Ackerbauern und Waldbewohnern – und eine grausame Gewalttat führt zu offenem Krieg …
Rezension Stonehenge – Die Kathedrale der Zeit
Nachdem ich Mümmler drei Teile der Kingsbridge-Reihe* „abgenommen“ und hier im Blog rezensiert hatte, hat sie mir gnädigerweise auch das neue Buch von Ken Follett überlassen, das ich insbesondere aufgrund der Epoche sehr spannend fand, in der es spielt.
Romane aus der Steinzeit liest man nämlich nicht allzu oft, auch wenn Mümmler in ihrem Übersichtsbeitrag zu dieser Epoche einige vorgestellt hat. Hier im Blog ist Stonehenge meines Wissens aber der bisher einzige Steinzeit-Roman, dem eine eigene Rezension gewidmet wurde.
Gleich vorweg: Die Geschichte wartet mit einer Vielzahl an Namen auf, was anfangs durchaus verwirrend sein kann. Genaue Konzentration auf die einzelnen Figuren und ihre nach heutigen Maßstäben ungewöhnlichen Namen ist also ein Muss, wenn man nicht öfters etwas ratlos dasitzen will, von wem denn nun gerade die Rede ist und ob man ihn schon kennen sollte.
Das ist aber im Grunde nicht zu viel verlangt, zumal man dafür durchaus gut entschädigt wird. Was mich an Stonehenge wohl am meisten beeindruckt hat, ist Folletts Darstellung der steinzeitlichen Gesellschaft. Sie ist entwickelter und zivilisierter, als ich es mir bis dahin vorgestellt hatte. Aber nach der Lektüre bin ich mir sicher, dass das gezeichnete Bild auf jeden Fall angebrachter ist als das, was ich im Kopf hatte.
Das Buch hat mein Bild dieser Zeit also grundlegend geändert und das ist für sich genommen in meinen Augen schon ein absolutes Gütesiegel für einen historischen Roman.
Doch auch die Geschichte selbst ist spannend und kurzweilig erzählt. Das Ergebnis des Haupthandlungsstrangs – der Bau von Stonehenge – ist natürlich bekannt, dennoch verliert die Handlung nie an Tempo und man will wissen, wie es weiter geht.
Die Figurenzeichnung gelingt Follett wie immer gut, wobei die Beschreibung der Bösewichte sowie die Darstellung des Baumeisters Seft – einen der wichtigsten Protagonisten – diesmal nicht die charakterliche Tiefe haben, wie man es gewohnt ist. Hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht, denn gerade die Schilderung mehrdimensionaler Charaktere ist normalerweise eine der großen Stärken dieses Autors.
Meinen größten Kritikpunkt an Stonehenge muss ich aber nicht Follett selbst, sondern der deutschen Übersetzung bzw. dem Korrektorat anlasten.
Das Buch wimmelt nämlich nur so von auffälligen Rechtschreibfehlern – insbesondere ausgelassene Wörter, aber auch falsche Kasus und vergessene Buchstaben. Bereits auf den ersten Seiten geht es los und zieht sich in der Folge wie ein roter Faden durch Stonehenge.
Die exakt gleiche Beanstandung hatte ich bereits an Die Waffen des Lichts (Kingsbridge 5):
Darüber hinaus finden sich in der deutschen Übersetzung auffällig viele Fehler – insbesondere ausgelassene Wörter, aber auch ein ohne „n“ geschriebenes „Kontigent“ – was in der Häufung für ein derart hochwertig produziertes Produkt eigentlich unfassbar ist.
Letzteren Gedanken kann ich nur nochmal unterstreichen: Die vielen orthografischen Fauxpas – zu denen sich auch noch Übersetzungsfehler gesellen („Sonnenuntergang“, wo es logisch „Sonnenaufgang“ heißen muss) – erreichen in Stonehenge schon sehr bald ein Niveau, das ich schon für ein Selfpublishing-Werk als inakzeptabel betrachten würde. Nur dass es sich bei Stonehenge um einen der erfolgreichsten Autoren der Welt und einen der größten deutschen Belletristik-Verlage handelt.
Mir geht es dabei nicht um Pingeligkeit und Auf-Fehlern-Rumreiten, vielmehr war es so, dass die vielen Fehler mich nicht nur des Öfteren unnötig aus dem Lesefluss gerissen haben, sondern auch immer wieder und insgesamt einfach einen negativen Schatten auf die inhaltlich sehr gekonnte Erzählung werfen.
Sollte jemand von Lübbe diese Zeilen also lesen: Schickt mir beim nächsten Mal gerne vor dem Druck das „fertige“ Manuskript zu und ich schaue, was ich tun kann, um die Fehler auf ein Minimum zu beschränken. 😉
Obwohl ich jetzt recht ausführlich etwas Negatives beschrieben habe, halte ich Stonehenge alles in allem dennoch für einen sehr zu empfehlenden Roman, mit dem Follett nach dem doch eher enttäuschenden Die Waffen des Lichts wieder an alte Glanzleistungen anknüpfen kann.
Wer historische Romane schätzt und sich für die Entstehung eines der größten Mysterien der Menschheitsgeschichte interessiert, sollte diesem Werk definitiv eine Chance geben.
Da sich die Ernährungsform der Steinzeit heute wieder immer größer werdender Beliebtheit erfreut, war es nicht schwer, zu Stonehenge etwas Typisches von damals zu kochen. Meine Wahl fiel auf ein Paleo Hirschragout.
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